Eine Kathedrale der Ingenieurskunst

Großes Staunen: Hinter mir sehen Sie die tiefste Baustelle des Landes. In Gelsenkirchen lässt die unermüdliche Emschergenossenschaft eine imposante Pumpstation im Erdreich versenken – und ich darf die Baustelle besichtigen! Zur Begrüßung verpasst mir Diplom-Geologe Markus Kühnel Gummistiefel, Warnweste und ein knitterfreies Hütchen inklusive Sicherheitsunterweisung. Dann träufelt der kompetente Mann (Studium in Aachen) ganz viele Zahlen in mein begeistertes Hirn. Die Baustelle ist 40 Meter tief, hat einen Durchmesser von 50 Metern und liegt seit 2009 im Zeit- und Kostenplan. 50 Millionen Euro kostet der Betoncorpus, der ab 2018 täglich bis zu einer Millionen Tonnen Abwasser in Bewegung bringen soll. Sinn der Sache: Das olfaktorisch ungünstige Abwasser wird unterirdisch in die Kläranlagen von Bottrop und Dinslaken gepumpt, während die Emscher oberirdisch nur noch aus Flusswasser und Regenwasser besteht. Stichwort Renaturierung.

Jetzt gehts ab in die Tiefen der Baustelle. Unendliches Treppengestrüpp führt mich vier Ebenen tief in die Unterwelt. Problem: Diese Kathedrale der Ingenieurskunst muss ich nachher wieder hochkrabbeln. Aber die Mühe lohnt sich schon jetzt. Ich bin sehr beeindruckt. Im Saugraum sehe ich, so erklärt mir Markus Kühnel, elf Kreiselpumpen mit einer Leistung von 6800 PS. Sie müssen das unterirdische Wassersystem in Bewegung halten, denn von Dortmund bis Dinslaken am Rhein hat der Abwasserkanal lediglich ein Gefälle von schlappen 1,5 Promille. Also muss nachgeholfen werden. Nach dem Besuch im Erdinnern geht es hoch hinaus auf ein schönes Klinkergebäude. Hier wohnt die leistungsstarke und doppelt abgesicherte Elektrokraftstation für die dicken Pumpen. Für mich ist das Gebäude jetzt eine prima Aussichtsplattform, denn von hier aus ich habe nicht nur einen top Blick auf die Baustelle, sondern auch auf – wenn Sie genau hinsehen, können Sie es in der Ferne entdecken – das Schalke-Stadion. Ja, so ist das in Gelsenkirchen.


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